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Wer war Magda Langhans?
Magda
Langhans-Kelm war die erste Frau, die als Vizepräsidentin in ein
Präsidium der Hamburgischen Bürgerschaft gewählt wurde. Sie hat für
ihre politische Überzeugung sechs Jahre im Zuchthaus gesessen,
inhaftiert von den Nazis. Sie war nach dem Zweiten Weltkrieg die
einzige Kommunistin in der Hamburgischen Bürgerschaft.
Magda
Langhans taucht in der Geschichtsschreibung Hamburgs nur in wenigen
Dokumenten und Büchern auf. Keine Hamburger Straße trägt ihren Namen,
keine Widmung findet sich im Rathaus.
Nur zwölf
Prozent aller Straßennamen Hamburgs erinnern überhaupt an Frauen (332)
– im Gegensatz dazu rund 2.300 an Männer. Auf den 184 Gemälden, die in
den repräsentativen Räumen des Hamburger Rathauses hängen, sind gerade
einmal drei Frauen zu sehen. Paula Karpinski. Conradine Therese
Abendroth und Elsbeth Weichmann. Nicht einmal für Paula Karpinski, der
ersten Senatorin Hamburgs, gibt es eine nach ihr benannte Straße. Auf
den 184 Gemälden, die in den repräsentativen Räumen des Hamburger Rathauses
hängen, sind gerade einmal drei Frauen zu sehen. Paula Karpinski.
Conradine Therese Abendroth und Elsbeth Weichmann. Nicht einmal für
Paula Karpinski, der ersten Senatorin Hamburgs, gibt es eine nach ihr
benannte Straße.
Ihre Neffen beschreiben Magda
Langhans als energische Frau, die eine sachliche, souveräne und
nachdenkliche Art hatte. Politische Weggefährten und Weggefährtinnen
stellen sie als lebhafte Person dar, die sich durchzusetzen verstand
und zuverlässig gewesen ist. Ein Staatsanwalt soll 1934 über sie gesagt
haben: „Vor uns steht eine große Frau. Sie ist zwar sehr klein, aber
dennoch groß.“
Magda Langhans' Reden legen
Zeugnis ab von einer Frau, die sich vehement für die sozialen Belange
der Bevölkerung eingesetzt hat. Sie hatte eine handfeste Art, zu
argumentieren. Die WELT schrieb 1949 über Magda Langhans: „Wegen ihrer
geschliffenen Formulierungen und der überzeugenden Art, sie
vorzubringen, fiel sie schon vor 1933 im Hamburger Parlament auf.“ Die
Historikerinnen Dr. Rita Bake und Inge Grolle berichten 1995: „Sie trat
als eine der engagiertesten Rednerinnen im Plenum auf, bis infolge des
Kalten Krieges die Kommunisten nicht mehr im Parlament saßen.“ Bewegend
liest sich die Rede, in der Magda Langhans 1947 die Lebensbedingungen
in den Nissenhütten schilderte. Noch fünf Jahre später mahnt sie
während der Haushaltsberatungen an, wie unwürdig die Lebensbedingungen
in diesen Armenbehausungen waren.
Hamburg unter demokratischen Gesichtspunkten wieder aufzubauen, war die historische Aufgabe der Ernannten Bürgerschaft
nach dem Ende des Hitlerfaschismus. Nur gemeinsam konnte der
Wiederaufbau Hamburgs gelingen. Davon zeugten die ungewöhnliche
Konstellation des Senats und die Zusammensetzung der Bürgerschaft: Die
SPD bildete trotz absoluter Mehrheit eine gemeinsame Regierung mit KPD
und damals noch wirklich liberaler FDP, die Gewerkschaften hatten eine
eigene Fraktion. Die Debatten zu dieser Zeit zeichnen sehr konkret das
Bild eines zerstörten Hamburgs, einer notleidenden Bevölkerung, aber
auch Zuversicht, die Stadt wieder aufzubauen – und dies unter einer
britischen Militärregierung, unter dem Druck von Reparationszahlungen.
Die
Themen, über die Magda Langhans sprach, waren breit gefächert: Frauen,
Bildung, Kultur, Situation der Rentner und Rentnerinnen, die
Sozialleistungen, der Beitritt der Bundesrepublik zum Europarat,
Entnazifizierung, die Wiedergutmachung für Inhaftierte,
Geschäftemacherei mit ungenießbaren Lebensmitteln. Im Tätigkeitsbericht
des Hygienischen Instituts für das Jahr 1949 heißt es analog dazu: „In
Krisen- und Übergangszeiten, in denen es überall an altgewohnten und
durch jahrzehntelange Erfahrung erprobten Grundstoffen fehlt, versuchen
skrupellose Geschäftemacher auf irgendwelche Weise Lebensmittel
herzustellen, unbekümmert um geltende Rechtsvorschriften.“
Die
Rolle und Wertigkeit der Frauen wurde in der Bürgerschaft immer wieder
debattiert, denn ihr Anteil am Wiederaufbau der Stadt war wesentlich.
Sie trugen die vierfache Last, weil sie zusätzlich zur Erwerbstätigkeit
die Kinderbetreuung, Hausarbeit und Ernährung der Familie zu bewältigen
hatten. Dennoch wurden sie bei der Entlohnung und bei der
Lebensmittelzuteilung erheblich benachteiligt. Magda Langhans war es,
die forderte, nur noch von Löhnen anstatt von Frauenlöhnen zu sprechen.
Sie verlangte ein Aussetzen des Abtreibungsparagraphen, den § 218
Strafgesetzbuch. Sie kritisierte, dass die Ehe als
Versorgungseinrichtung die berufliche Entwicklung von Frauen behindere.
Die weiblichen Abgeordneten setzten sich fraktionsübergreifend für den
Ausbau von Kindertagesheimen und Krippen ein. Die
Säuglingssterblichkeit war hoch, Tuberkulose grassierte. Damals wie
heute war die Situation alleinerziehender Mütter besonders dramatisch.
Ebenso stritten die weiblichen Abgeordneten aber auch dafür, dass
Kinder wieder Spielplätze erhalten, nicht in Schichten unterrichtet
werden und mehr Süßigkeiten bekommen. Grolle und Bake resümieren: „Die
Frauen in der Bürgerschaft ließen sich nicht beirren, ihr geschmähtes
,Herz' und ihr soziales Mitgefühl ins Plenum zu tragen, gepaart mit
Sachverstand und der Fähigkeit zur themengerechten Argumentation.“
Die
Reden von Magda Langhans setzten sich mit der sozialen Spaltung
auseinander, mit der Ungerechtigkeit des kapitalistischen Systems.
Etliche Forderungen in den Parlamentsdebatten könnten heute noch
genauso vorgetragen werden, zum Beispiel zur Bildung, zur Frauenfrage,
zur Linderung der sozialen Spaltung. Altmodisch aus heutiger Sicht
mutet auf der anderen Seite ihre Position zur „Schmutz- und
Schundliteratur“ an, womit Krimis gemeint waren.
Ihr
Redestil veränderte sich ab 1949 – nachdem das Grundgesetz der
Bundesrepublik Deutschland verabschiedet und die DDR gegründet worden
waren. Zwischenrufe nahmen zu. Insgesamt verschärfte sich das Klima in
der Bürgerschaft. Der Kalte Krieg zeigte erste Spuren.
Nach
Magda Langhans gab es weiterhin Frauen im Präsidium der Bürgerschaft.
Präsidentinnen aber gibt es erst seit 1987: Elisabeth Kiausch (1987,
1991-93), Helga Elstner (1987 bis 1991), Ute Pape (1993 bis 2000), Dr.
Dorothee Stapelfeldt (2000 bis 2004 und 2011), Carola Veit (seit 2011),
alle von der SPD.
Ihre
letzte Rede in der Bürgerschaft hielt Magda Langhans 1953 zur
Ausbildung in Erster Hilfe beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) für
Lehrkräfte. Es ist ein kurzer Beitrag, in dem sie Vermutungen anstellt,
der Abgeordnete Gerhard Schubert, Deutsche Partei, würde das DRK pushen
wollen, um den Arbeiter-Samariter-Bund zu schwächen. Wie der SPD-Redner
Lois Sellmer sprach sich auch Magda Langhans dagegen aus, dass das DRK
als alleinige ausbildende Institution fungiert.
Magda
Langhans hat ihren Anteil an der Demokratisierung und am Wiederaufbau
Hamburgs geleistet. Ihre Reden werfen einen – wenn auch subjektiven,
lediglich parlamentarischen und damit unvollständigen – Blick in die
Nachkriegsgeschichte Hamburgs und auf die Persönlichkeit von Magda
Langhans.
Ich möchte anlässlich ihres 25. Todestages, der sich am 17. Januar 2012 jährt, mit einer Broschüre dieser vergessenen Politikerin gedenken.
Kersten Artus, Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft für die Fraktion DIE LINKE
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