Mai 2011 Ein Medienführerschein muss unabhängig von den Interessen der Wirtschaft sein. Medienkompetenzförderung gehört institutionell verankert. Hamburg.de gehört zurück in die Öffentliche Hand |
Rede am 4. Mai 2011 in der Hamburgischen Bürgerschaft. Drucksachen 20/280, 20/380, 20/490 Frau Präsidentin, sehr geehrte Herren und Damen, auf das Bürgerschaftliche Ersuchen zur Medienkompetenzförderng vom 24. Juni 2010 hat der alte Senat ja in seiner Rest-Regierungszeit nicht antworten können, wie er im Dezember der Bürgerschaft kleinlaut mitteilte. Insofern begrüßt es die Linksfraktion, dass die CDU mit diesem Antrag pflichtschuldig den Faden wieder aufnimmt. In Bayern gibt es ja bereits einen Medienführerschein. Doch ist der leider ein eher schlechtes Beispiel, wie er aussehen kann. Er wird nämlich vom Verband der Zeitungsverleger herausgeben und eignet sich meiner Meinung nach überhaupt nicht. In Begleitmaterialien wird Grundschülern und Grundschülerinnen weisgemacht, dass im Internet nur Blödsinn steht. Es wird eine Welt von Gut und Böse gezeichnet – gut ist die Welt der Zeitungen, schlecht die Welt des Internets – was nun niemanden kompetenter macht. Wir setzen uns zwar für einen Runden Tisch ein, an dem auch die Verlage teilnehmen sollen. Ich kann aber nur davor warnen, bei der Entwicklung eines Medienführerscheins die Interessen der Wirtschaft unreflektiert zu übernehmen. Medienkompetenzvermittlung muss unbedingt unabhängig vermittelt werden, sehr geehrte Herren und Damen. Im Koalitionsvertrag der nordrhein-westfälischen rotgrünen Landesregierung wurde die Einführung eines Medienkompetenzführerscheines beschrieben, und auch die SPD forderte ihn im Bürgerschaftswahlkampf. Im Arbeitsprogramm des Senats findet sich davon nichts wieder. Der nun schnell nachgeschobene SPD-Antrag ist begrüßenswert, wenn auch she umfangreich. er setzt sich ja aus verschiedenen SDP-Anträgen zusammen. Merkwürif ist, was weggeleassen wurde, zum Beisl eine geschelchtsspezifische Betrachung, Auch soll nicht mehr evaluiert, sondern nur noch geprüft werden. Die Linke ist der Auffassung, dass der Erwerb von Medienkompetenz eine Schlüsselkategorie herausbildet, um den Herausforderungen des digitalen Zeitalters zu begegnen. Zu einer modernen Mediensozialisation gehört die Bildung eines kritischen Verstandes und die Fähigkeit, Realität und Fiktion zu unterscheiden. Jede und jeder ist gefordert, sich in der Welt elektronischer Medien selbstbestimmt zu orientieren und den Umgang mit möglichen Gefahren und schädlichen Medieninhalten zu erlernen. Dass niemand mehr um das Thema Medienkompetenzförderung herum kommt, zeigen diese Zahlen, die ich der KIM-Studie 2010 entnommen habe:
Die Orte zum Erwerb von Medienkompetenz sind Kitas, Horte und Schulen. Die Vermittlung von Medienkompetenz gehört somit in die Ausbildungsinhalte von Erziehern und Erzieherinnen, Lehrern und Lehrerinnen sowie Sozialpädagogen und Sozialpädagoginnen. DIE LINKE tritt dafür ein, die Förderung und Schulung von Medienkompetenz in Hamburg institutionell verpflichtend zu verankern. Medienkompetenz jedoch bedeutet nicht nur die Fähigkeit zu einer kritischen Aneignung von Medieninhalten, sondern umfasst auch eigenverantwortliche Mediengestaltung. Aktive Medienkompetenz geht daher über den kritischen Empfang von Inhalten hinaus und lässt die Menschen an der medialen Öffentlichkeit selbst teilhaben. Bürgermedien und Offene Kanäle sind solche Orte der Teilhabe. Sie sind Instanzen zur Vermittlung von aktiver Medienkompetenz und zur Aus-, Fort- und Weiterbildung im nichtkommerziellen Medienbereich. Daher muss der Sender TIDE auch ausgebaut und weiterentwickelt werden und aktive Nutzung des Internets ermöglichen. Deswegen finden wir auch, dass hamburg.de wieder zurück in die Öffentliche Hand gehört- Die Linksfraktion plädiert daher dafür, zunächst eine Evaluation der bereits laufenden Maßnahmen zur Medienkompetenzvermittlung in Hamburg vorzunehmen und dann zu ermitteln, ob und wie ein Medienführerschein ausgestaltet sein muss. Es gibt sehr gute Projekte und Initiativen, sie werden sehr anschaulich im stadtkultur magazin beschrieben. Auch die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Hostein ist sehr aktiv und glänzt durch ein tolles Magazin für Medienkompetenz, das sie Scout genannt hat. Wie erfolgreich das Projekt SchulCommsy ist und ob und wie es ausgebaut werden kann, sollte ebenfalls sorgfältig geprüft werden. Wir hatten uns anlässlich der Großen Anfrage der SPD in 2009 dafür eingesetzt, dass die Medienkompetenzförderung in mehreren Ausschüssen thematisiert wird und sie deswegen mehrfach überwiesen werden sollte – leider wurde das damals von Schwarzgrün abgelehnt. Wir schlagen daher nunmehr die Überweisung der gesamten Anträge in den Wirtschaftsausschuss vor und plädieren parallel für Überweisungen in den Schulausschuss. Zum CDU-Antrag: Wir stimmen ihm zu, weil wir es richtig finden, die Einführung eines Medienführerscheines zu prüfen. Zu unserem Antrag: er enthält einen konkreten Handlungsauftrag. Zum SPD-Antrag. er ist sehr umfangreich und es ist unfair und stillos, so einen Antrag zwei Tage vor der Bürgerschaftssitzung einzureichen. Denken Sie daran, dass manche Abgeordneten nebenbei auch noch berufstätig sind. Daher wäre eine Überweisung angemessen gewesen. So aber habe ich den Eindruck, dass die SPD, nachdem sie nun die absolute Mehrheit hat, Hauptabteilung Wahrheit spielt. Damit verschenkt sie eine Menge an Diskussionskultur. Bislang war sie anders aufgetreten. |